Gesundheit im Blick – über Grenzen hinweg
Forschung, praktische Hilfen und Erfahrungen aus verschiedenen Ländern

Wie lässt sich die medizinische Versorgung von Menschen mit Contergan-/Thalidomidschädigung verbessern? Am zweiten Kongresstag des „Egmond Circle“ ging es um neue Forschung, praktische Hilfen und Erfahrungen aus verschiedenen Ländern.
Wenn im Notfall das Fachwissen fehlt
Ein Mann erleidet einen Schlaganfall – doch seine Symptome werden zunächst nicht erkannt. An diesem Fall zeigte Prof. h. c. Dr. Stephan Martin, Leiter des MMK im DIAKOVERE Annastift in Hannover, welche Folgen fehlendes Wissen über Conterganschädigungen haben kann. Er warb für bessere Notfallversorgung und internationale Zusammenarbeit. Auch Operationen müssten sorgfältig vorbereitet werden: Welche Bewegungen sind im Alltag unverzichtbar? Welche Hilfsmittel werden anschließend gebraucht?
Spezialisierte Medizin und neue Forschung
Prof. Dr. Klaus M. Peters stellte als Leiter das Multidisziplinäre Medizinische Kompetenzzentrum (MMK) an der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht vor. Dort arbeiten verschiedene Fachrichtungen zusammen, um insbesondere Folgeschäden, chronische Schmerzen und altersbedingte Erkrankungen zu behandeln. Auch an der Uniklinik Köln wird die spezialisierte Versorgung weiterentwickelt.
Wie es um Herz und Blutgefäße von Menschen mit Conterganschädigung steht, untersucht eine große Studie, die PD Dr. Carsten Gietzen von der Uniklinik Köln vorstellte. Ultraschall und kontrastmittelfreie MRT sollen helfen, gesundheitliche Risiken besser zu erkennen. Die Studie läuft noch bis 2028; weitere Teilnehmer*innen werden gesucht.
Was Irland und Japan berichten
Marie Kehoe‑O’Sullivan gab Einblicke in die Versorgung in Irland. Dort unterstützt das National Thalidomide Advocacy Office Betroffene bei medizinischen und sozialen Fragen. Zu den Angeboten gehören regelmäßige Untersuchungen und der Zugang zu Gesundheitsleistungen unabhängig vom Einkommen. Eine Herausforderung bleibt, spezialisiertes Wissen auch in die hausärztliche Versorgung zu bringen.
Aus Japan berichtete Yukari Masuyama, wie schwierig es dort ist, eine kontinuierliche, auf Thalidomidschädigungen abgestimmte Behandlung zu erhalten. Nach einem Besuch in Deutschland gründete sie 2024 die Initiative „One Team“. Mit ihr setzt sie sich für besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Rechte Betroffener ein. In Egmond warb sie dafür, Wissen und Erfahrungen länderübergreifend zu teilen.
Was im Alltag hilft
Wie lassen sich Schmerzen lindern und Stürze vermeiden? Im Workshop von Prof. h. c. Dr. Stephan Martin und seinem Team aus Hannover ging es um gezieltes Training, individuelle Hilfsmittel und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Ein praktischer Tipp: Schon vor einem Sturz überlegen und möglichst üben, wie man wieder aufstehen kann – und wie Helfende dabei richtig unterstützen. Weitere Workshops und Fokusgruppen boten Raum, gesundheitliche und persönliche Fragen zu vertiefen.
Ob Notfallversorgung, Forschungsprojekt oder Alltagshilfe: Der zweite Kongresstag machte deutlich, wie wertvoll das Wissen der Betroffenen selbst ist. Es international zu vernetzen und für die medizinische Versorgung nutzbar zu machen, gehört zu den zentralen Anliegen des „Egmond Circle“.
Ähnlich und auch interessant

Egmond Circle – Stimmen und Eindrücke
Bianca Vogel-Schmidt hat sich unter die Teilnehmer*innen gemischt und persönliche Geschichten, Gedanken und Erlebnisse eingefangen.

Assistenz: Gut unterstützt – selbstbestimmt leben
Im Workshop „Your Support Network“ am 29. Oktober 2026 stellte Geraldine Freeman unterschiedliche Wege der Unterstützung vor

Beratung und Information beim „Egmond Circle“
Im Workshop „Your Support Network“ am 29. Oktober 2026 stellte Geraldine Freeman unterschiedliche Wege der Unterstützung vor